"Die Errungenschaften der Frauen sind nicht in Beton festgeschrieben."

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08/03/18

Eroberung der Bürgerrechte, "Balance ton porc"* und gleiche Bezahlung.... Joëlle Magar-Braeuner, Soziologin und Forscherin für feministische Studien, analysiert die großen Momente, die die Geschichte der Frauen geprägt haben und prägen werden.

Reden wir nicht über den Tag der Frau mit Joëlle Magar-Braeuner, um sie nicht gerade deshalb zu verärgern. "Warum heißt es die Frau und nicht die Frauen? Die Frau existiert nicht, es geht darum, Menschen zu betrachten und nicht ein Wesen. Im Kampf gegen den Antisemitismus wäre es schockierend vom "Tag des Juden" zu sprechen!", betont diese Forscherin vom Netzwerk québécois en études feministes an der Universität Québec in Montréal, Lehrbeauftragte an der Universität Straßburg.

Für die Soziologin, die sich auf Gender- und Bildungsfragen spezialisiert hat, gab es im Laufe der Geschichte immer wieder Frauen im Widerstand, wie die Beginen im Mittelalter, die Gemeinschaften bilden, um der patriarchalischen Macht zu entkommen. Feministische Bewegungen wurden im 19. Jahrhundert geboren. "Wir können von einer feministischen Bewegung als einer sozialen Bewegung von dem Zeitpunkt an sprechen, wo es eine Organisation gibt.“ Seinerzeit ging es den Frauen im Westen um die Eroberung der Bürgerrechte, wobei der erste Sieg die Erlangung des Wahlrechts war.

Ein Vor und ein Nach dem "Balance ton porc“ *

Eine zweite Welle des Feminismus gab es in den 60er und 70er Jahren für die sexuellen und reproduktiven Rechte mit Slogans wie "Mein Körper gehört mir" und "Das Private ist politisch". „Es dauerte jedoch bis 1990, dass die eheliche Vergewaltigung anerkannt wurde", bemerkt Joëlle Magar-Braeuner. Eine dritte Welle begann in den 2000er Jahren, geprägt von der Entwicklung individueller Handlungsmacht, dem Zugang zu Machtpositionen, politischer Repräsentation und beruflicher Gleichstellung.

Derzeit wird mit der Weinstein-Affäre und dem berühmten #Balance Ton Porc und Me Too eine neue Seite in der Geschichte der Frauen geschrieben. "Sie hat einen massiven und internationalen Charakter. Man wird vielleicht später von einem historischen Moment sprechen, mit einem Vorher und Nachher", präzisiert die Soziologin. Für sie wirft die Bewegung die Frage nach der Wirksamkeit der gerichtlichen Rechtsdurchsetzung bei Gewaltsituationen gegen Frauen auf. "Die Ausbreitungsrate dieser Hashtags erklärt sich aus der Sackgasse, in der sich Frauen befinden, wenn sie Opfer sind.“

Auf dem Weg zu einem Rückschritt in den Vereinigten Staaten

Diese Enthüllungsbewegung erfordert eine wirkliche Veränderung der Repräsentation, die Umgestaltung der Geschlechterverhältnisse und die Notwendigkeit, politische Mittel zu ihrer Behebung einzusetzen. Joëlle Magar-Braeuner weist jedoch darauf hin, dass es sich hier nicht um eine organisierte Bewegung handelt, sondern um Frauen, die ihre Erfahrungen bezeugen. "Es wird feministisch, wenn wir das Thema sexuelle Gewalt in die öffentliche und politische Debatte einbringen.“

Eine weitere wichtige Debatte ist derzeit die Frage der beruflichen Gleichstellung. "In Kanada wurde ein Budget von 3 Milliarden Dollar für fünf Jahre vorgeschlagen, um gleiche Bezahlung zu erreichen. Diese Veränderungen erfordern wiederum Änderungen an etablierten Standards, wobei der Lohnstreifen nur das Ergebnis der Voraussetzungen ist, die die Gesellschaft antreiben. Vor dem Hintergrund dieser Ungleichheiten gibt es immer noch die Haltung, dass es für eine Frau weniger legitim ist zur Arbeit zu gehen, und dass die Arbeit von Frauen weniger wertvoll ist als die von Männern.“

„In den Vereinigten Staaten erleben wir einen Rückschritt bei bestimmten Rechten wie dem Zugang zur Abtreibung und der Schließung von Zentren in mehreren Staaten", betont Joëlle Magar-Braeuner, für die die kommenden Kämpfe von der Wahrung der bereits erworbenen Rechte geprägt sein werden. "Von einer Beziehung, in der es keine strukturelle Dominanz mehr gibt, sind wir noch weit entfernt. Gleichheit wäre die Tatsache, wenn Sexualität, sei es bei Mann oder Frau, unser soziales Leben nicht mehr organisiert.“ Darüber lässt sich meditieren...

*Anm.: Übers.: „Verpfeif dein Schwein“