Sein Paradies ist Peru!

Der ehemalige Student der Politikwissenschaften Arthur Morenas hat ein Promotionsstipendium am Institut für Amerikaforschung erlangt, um in Peru seine Doktorarbeit zu schreiben, einem Land, das er bereits gut kennt und das ihn fasziniert. Ein Rückblick auf seinem Weg.

© Institut français d'études andines

Peru entdeckt Arthur Morenas im Jahr 2013 im Rahmen eines Studentenaustauschs mit der Universität Ricardo Palma in Lima. Unter den zahlreichen Zielen, die ihm am Ende des zweiten Jahres Sciences Po am Institut für politische Studien in Straßburg zur Auswahl stehen, ist es Lateinamerika und dort vor allem die Andenländer, die seine Neugier wecken. Er entscheidet sich schließlich für Peru. „Ohne es wirklich zu kennen, stellte ich mir Peru als ein Land vor, das reich an Kultur ist und seine Traditionen bewahrt hat", erinnert er sich. „So fiel die Entscheidung.‟

Lima bewältigen

Schon bald nach der Ankunft in Lima entwickelt er eine Leidenschaft für sein Gastland, obwohl er sich erinnert, dass die erste Begegnung mit der Hauptstadt Perus und ihren rund 9 Millionen Einwohnern „fast schockierend“ war. „Lima ist nicht das Land der Inkas, das man sich vorstellt. Es ist eine Stadt, die sich in vielerlei Hinsicht verwestlicht hat", sagt Arthur, der dort dennoch eine spannende kulturelle Mischung entdeckt hat. „Wenn man einmal den Schock der etwas chaotischen Urbanisierung bewältigt hat, ist es eine Stadt, die man ins Herz schließt und die einen Reichtum birgt, wie man ihn auf den ersten Blick nicht vermutet."

Nach dieser ersten Erfahrung, die sein holpriges Spanisch in echte Zweisprachigkeit verwandelt, macht er im fünften Jahr seines IEP-Studiums einen Master mit Schwerpunkt Lateinamerika. Es folgten zwei Praktika, die ihn für mehrere Monate in das Andenland zurückkehren lassen. Er führt dabei ein Forschungsprojekt im Vorort Jicamarca durch, bei dem er die Beziehungen zwischen den politischen Organisationen und lokalen Akteuren untersucht. Der Anfang einer Geschichte, die eine neue Wendung nehmen wird...

Das peruanische Modell unter der Lupe

Nach einem forschungszentrierten M2 in Sozial- und Politikwissenschaften erhält Arthur am Institut für Amerikastudien ein Promotionsstipendium für drei Jahre. Im kommenden September wird er wieder in Lima landen, dieses Mal für eine Doktorarbeit* über den Aufbau der Wirtschaftspolitik in Peru. Seit zehn Jahren sind die wichtigsten internationalen Institutionen (IWF, Weltbank etc.) der Ansicht, dass Peru in Lateinamerika geschickt seinen eigenen Weg geht, trotz eines ungünstigen wirtschaftlichen Klimas. „Sie loben Perus Modell der Wirtschaftspolitik, obwohl das Land alles andere als frei von Problemen ist", sagt Arthur. „Ich werde versuchen, die sozialen Grundlagen dieser Politik zu verstehen und deren anhaltende Stabilität, obwohl sie seit dem Fall der Regierung höchst umstritten ist.‟ Wie ist diese Wirtschaftspolitik aufgebaut? Welches sind die wichtigsten Institutionen, die sie fördern? Wie machen die nationalen Eliten sie sich zu Nutze? Wie wird sie auf lokaler Ebene umgesetzt und welche Mechanismen bedingen ihre Stabilität? All diesen Fragen will der zukünftige Doktorand anhand von Interviews mit vielen politischen Entscheidungsträgern und durch Archivstudien nachgehen.

Er wird sich auch für politische Maßnahmen gegen die Schattenwirtschaft interessieren. „Der „Schwarzmarkt" macht zwischen 60% und 70% der nationalen Wirtschaftstätigkeit aus", sagt Arthur. „Das ist in den letzten zehn Jahren ein sehr wichtiges wirtschaftspolitisches Thema geworden." Der Jungforscher, der bald 25 wird, kann es kaum erwarten, wieder 10 von 12 Monaten in Peru zu verbringen.  „Sozialwissenschaftlich betrachtet ist es ein Land, das eine Menge Überraschungen birgt und viele ehemalige Gewissheiten ins wanken bringt. Das ist spannend, wenn man forschen will!"

Ronan Rousseau

* « Les fondements sociaux du « modèle péruvien » : analyse sociopolitique des politiques économiques au Pérou. » („Die sozialen Grundlagen des „Peru-Modells": sozialpolitische Analyse der Wirtschaftspolitik in Peru"), betreut von Vincent Dubois, Professor für Soziologie und Politikwissenschaft an der Université de Strasbourg.

Arthur Morenas vertritt das Institut für Amerikastudien

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Das Institut vereint sechzig französische Universitäten, darunter die Université de Strasbourg. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die französische Forschung zum amerikanischen Kontinent zu fördern und umfasst 12 von Doktoranden verwaltete internationale Zentren. Arthur Morenas koordiniert das in Lima und wird „mit großer Freunde einen Beitrag leisten, wenn die Université de Strasbourg ihr Netz in Südamerika ausbauen möchte."